Ev. Luth. Kirchgemeinde
     Berthelsdorf-Strahwalde und Herrnhut

Wo Menschen sich verschenken, die Liebe bedenken, da berühren sich Himmel und Erde

Berthelsdorf, Oberlausitz lautete unser Ziel für das diesjährige Sommerlager. Das Programm für die 10 Tage war geschmiedet und versprach abwechslungsreich und schön zu werden. Die Landschaft hatten einige von uns schon kennengelernt, die Hügel und weiter entfernt die Berge lockten uns. Da ein Reisebus zu teuer und zudem mit unseren 33 Mitreisenden nicht voll ausgenutzt werden konnte, war die Fahrt per Milebus, privaten PKW und Wochenendtickets bei der Bahn (11 Stunden, 6 mal umsteigen) gelöst. Einzige Pfadfinderin des Ortes auf unserem Lager war Pauline, kaum aufgetaucht, schon voll integriert.
So gingen wir davon aus, dass dieses Lager gelingen würde, auch wenn das Wetter nicht optimal sein sollte. Das war auch so. Der Besuch der Sternenfabrik in Herrnhut mit Bau eines individuellen Christophorus-Pfadfinder-Sterns, und der Besuch bei der Textildruckerei Dürninger, das Geländespiel im Wald und besonders das Nachtgeländespiel im Zinzendorfschloss mit Spuk und Schreck, die Begegnung mit dem Räuberhauptmann Karasek in Seifhennersdorf, die Dreitagewanderung der Obelixe durch das Zittauer Gebirge, so viele gelungene Eindrücke hätten das Lager schon rund und gut sein lassen, natürlich das köstliche Essen unserer Küchen-Jutta nicht zu vergessen. Aber das alles wurde zur angenehmen Begleiterscheinung. Unser Lagerthema "Graf Zinzendorf" trat zurück hinter dem Erleben von so viel menschlicher Wärme, die uns die Berthelsdorfer entgegenbrachten, dass unser Thema besser "Berthelsdorf, Ort, wo sich Himmel und Erde berühren" hätte heißen können. Nachdem erst ein kleiner Pfadfinder wegen der vielen zerfallenden Häuser glaubte, das hier gerade ein Kieg zu Ende gegangen sei, begann sich über diesem durch Abwanderung ausblutenden Dorf der Himmel zu öffnen.
Zu unserem Bergfest war die Kirchengemeinde mit eingeladen. Hatten wir bis dahin die freundliche Art von Pastor Andreas Taesler und seiner Frau Dorothea nebst Sohn Magnus und Paulines Familie genossen, lernten wir nun einige andere Berthelsdorfer kennen. Das führte dazu, dass nach unseren Pfadfinderliedern und Sketchen eine alte Dame in Oberlausitzer Mundart ein Gedicht über das Angebot im einem Konsum aufsagte, in den folgenden Tagen Kuchen, Melonen, Apfelmus, Tomaten etc. über uns kamen, immer wieder jemand nach uns und unserem Wohlergehen auf der Pfarrwiese schaute, der Organisator der jungen Leute des Bauordens, die bei den Restaurierungsarbeiten des Zinzendorfschlosses halfen, sich am späten Abend als "Navi" zum Zittauer Krankenhaus zum Glassplitter aus einem Kinderfuß Entfernen einsetzen ließ, Trubadix alias Leopold Öffner sein Debüt als Organist im Gottesdienst mit Bravour bestand, obwohl die Orgel eigentlich von einem eigens aus Dresden angereisten Organisten gespielt werden sollte, der selber Spaß an dem zappeligen 13-jährigen Nachwuchsorganisten hatte, die Pfadfinder die kleine Barockkirche mit ihrem Gesang erfüllten. Abends beim Schloss-Geländespiel hallten grelle Schreie der Jäger und Gespenster durch das Dorf (unser Dank gilt allen Anwohnern, die das ohne Murren über sich ergehen ließen!), das viele Apfelmus, das die gefühlte Länge des Weges zur Schule (deren sanitäre Anlagen wir dankenswerter Weise nutzen durften) manchmal dramatisch erhöhte, die Spende der Dame, die am letzten Tag des Lagers auftauchte, um uns zu erfreuen, der Abschlussabend, an dem ein Berthelsdorfer Spontan-Chor auf das Schleswig-Holstein-Lied mit dem Oberlausitz-Lied antwortete.
Was kam dabei heraus?: Sechs Pfadfinder blieben noch drei Tage länger, bauten am Schloss mit, in das wir uns alle, aber besonders Florian Fölster verliebt hatten, wohl besonders deshalb, weil wir an den Arbeiten und ihrem Gelingen sehen konnten, was Menschen bewirken können, die ein gemeinsames Ziel mit Herz und Hand anpacken. Unsere Spende für die Pfarrwiesenbenutzung wird als Treppenstufe der Barocktreppe im Schloss eingebaut werden. Von Paulines Mutter üppig bekocht, vom Apfelsaftspender zu einem Ausflug zum Jeschken nach Tschechien mitgenommen - vier, ohne Thorben und Florian, die noch einen Fußboden fertig stellen wollten - genossen sie die Verlängerung. Und wo duscht der verschwitzte Bau-Pfadfinder sich zu Feierabend? Natürlich im Bad der Wohnung des Pfarrers, der inzwischen im Urlaub ist.
Wir normalen Rückreisenden fuhren am 30.7. mit flotten und weniger flotten Fahrzeugen der Heimat entgegen. Die Insassen des schleichenden aber umso mehr brummenden Milebusses, die auf den hinteren Sitzen schmorten, verwandelten sich mehr und mehr in "Goldbroiler", Leopold, neben mir, der Fahrerin sitzend, griff irgendwann mangels Autoradio zum Keyboard, grinste von einem Ohrläppchen zum anderen, bearbeitete die Tasten und schmetterte seine Lieder.
Danke, Berthelsdorf, für dieses einmalige Sommerlager dort, wo sich Himmel und Erde berühren!

Wilma Giesder
(Leiterin des Sommerlagers)
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